Zündholzmuseum Grafenwiesen e.V.
 
   

Der Mensch und das Feuer

„Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht“.
(Friedrich von Schiller, Das Lied von der Glocke, 1799)

Feuer, seine Verfügbarkeit und seine Beherrschung war und ist für die allgemeine Menschheitsentwicklung ein besonders wichtiger Faktor.
Wie unsere Vorfahren erstmals mit dem Feuer in Berührung kamen, wissen wir nicht. Es kann durch Blitzeinschlag, Vulkanausbrüche, durch enorme Sonneneinstrahlung oder chemische Reaktionen in der Natur geschehen sein. Diese Naturerscheinungen wurden höheren Mächten zugeschrieben, ein Götterkult entstand. Alle Völker der Erde kannten das Feuer und konnten es auf verschiedene Art entzünden. Entsprechend verschieden sind auch ihre „Feuergötter“.

„Am Anfang war das Feuerzeug“ ...
Es ist ein weitverbreiteter Irrtum anzunehmen, das Streichholz sei vor dem Feuerzeug „erfunden“ worden.
Das erste Feuerzeug war wohl der „Feuerbohrer“, mit dem durch Reibung Hitze entstand, und damit leicht brennbares Material entzündet wurde.
Entsprechende Überlieferungen kennen wir aus ägyptischen Grabgaben, etwa 2000 Jahre vor Chr.

Begriffsbestimmungen:
Feuerzeuge
Chemische und physikalische, mechanische und elektrische Feuerzeuge

Zündwaren
Mit Zündkopf und Zündstab

Zündmittel
Sprengzünder, Zünder, Sprengkapseln, Zündschnüre u.ä.

Pyrotechnische Erzeugnisse
Aus chemischen Verbindungen, Gemische mit Eigenschaften von Sprengstoffen oder ohne diese Eigenschaften

Zündwaren und ihre Unterteilung:
Phosphorzündwaren
Der Zündkopf des Zündstabes enthält Phosphor und Kaliumchlorat (Die Herstellung ist heute wegen ihrer Gefährlichkeit verboten)

Überallzünder
Der Zündkopf des Zündstabes enthält in der Hauptsache als Oxydationsmittel Tetraphosphortrisulfid (chem. Formel: P4S3). Er kann an jeder rauen Fläche entzündet werden.

Sicherheitszündwaren (nicht giftig)
Sie bestehen aus zwei Teilen:

Dem Zündstab
aus Holz, Karton, gedrehtem Papier, Plastik, mit einem Sicherheitszündkopf

Der Reibfläche mit Phosphorsatz
an der Schachtel oder dem Umschlag angebracht, wenn es ein Zündholzbriefchen ist.


Begriffe zu Zündwaren sind:
Bengalhölzer
Pyrotechnisches Erzeugnis

Buchzünder
nebeneinanderstehende, angestanzte, herausbrechbare Zündstäbe mit einem Umschlag mit Phosphorsatz

Wachszündstäbe
Zündstäbe aus gedrehtem und paraffinierten Papier mit Sicherheitszündkopf oder Überallzündsatz, in der Kartonschachtel.

Fancy matches, Luxuszündwaren, Fidibusse, Salonhölzer, Präsentschachteln

bezeichnet man als Souvenierzündwaren.

Haushaltsschachteln oder Kabinettschachteln

das sind Schiebeschachteln in Großformat


Die ersten chemischen Feuerzeuge
Sie stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, wurden stetig verbessert und sicherer gemacht.
1823 entstand das von Johann Wolfgang Döbereiner (1780 – 1849) aus Jena gebaute Feuerzeug, von dessen einfacher Ausführung ein „Nachbau“ im Besitz des Zündholzmuseums Grafenwiesen ist.

Schon Johann Wolfgang von Goethe hatte ein original „Döbereiner“ – Feuerzeug in seinem Besitz.
(Nachweis: Brief Goethes an Döbereiner vom 7. Okt. 1826, in dem er Döbereiner und sein Feuerzeug sehr lobte, das ihm täglich zur Hand steht).


Quellenangabe: "Unterhaltsames über Zündwaren" von Dr. Hans Hartig,
Fachbuchverlag Leipzig (ISBN-3-343-00116-3).